Valerian & Veronique: „Die Stadt der tosenden Wasser – Band 1“ – 1978

Sammlung: Valerian & Veronique 

 

Zeichner: Jean-Claude Mézières 

Texter: Pierre Christin 

 

Eine der besten SF-Comics auf dem Markt. Ohne Zweifel! Für mich ist diese Sammlung eine der Prägendsten! Bunt und reich an zeichnerischen Details. Es sind überraschend kritische Geschichten mit augenzwinkernden Wendungen. Geschichten die ich insbesondere wegen des zentralen SF-Elementes ‚Zeitreise‘, sehr schätze.

 

Als ich Valerian & Veronique 1973 zum ersten Mal in Zack gelesen hatte, riss sie mich nicht wirklich vom Hocker. Damals hatte die Geschichte den Titel „1984 – Die Erde ertrinkt“. Und irgendwas stimmte mit der Story nicht…?!

 

Ich erwarb das in Deutschland erschienene erste Album 1978 in der Roman-Boutique. Und zwar diesmal mit der vollständigen Erzählung. Der Band erschien beim Carlsen Verlag. Zuhause angekommen lümmelte ich mich sogleich in meinem Lieblingssessel. …und verschlang das Comic. Ein Genuss! Musste es auch sein. Denn mir offenbarte sich nun, warum ich nicht auch 1973 davon hingerissen war: Nicht, weil ich noch zu jung war? Nein! Ich denke die Comics in ZACK waren zu sehr zerstückelt und damit mein Lesefluss zerrissen, als dass sich bei mir Begeisterung entfachen ließ….

 

Übrigens fand ich den Zeichenstil anfangs als sehr funny-haft. Sodass ich es als Leser schwer hatte, dieses Comic richtig einzuordnen: War es nun ein lustiges Comic? Oder war es ein Superheldenepos?

Nein. Es war weder das eine noch das andere. Es ließ sich nicht den üblichen Schubladen zuordnen. Es hatte seinen ganz eigenen Charme. Seinen eigenen Stil. Seine eigene Erzähltechnik, um mich in eine utopische –aber auch kritische mit philosophischen Ansätzen gespickte- Welt wegzutragen.  Denn es nahm mich mit auf „…Reisen in die entlegensten Ecken und Winkel dieses und jenes Sonnensystems auf dem Zeitreiseprogamm. ...Probleme, die auf fernen Planeten angesprochen werden. Konflikte, die zur Lösung anstehen, sind immer – im übertragenen Sinne – die Probleme unserer Zivilisation, deren Bewältigung nur in Zeit und Raum versetzt werden: Rassismus, Feudalismus, Herrschaftsdenken, Macht streben und vieles andere mehr findet sich zwischen tausenden von Planeten versteckt wieder. Nicht immer ist es der Mensch (meist in Persona Valerian & Veronique), der zur Lösung von Konflikten beitragen kann. Im Gegenteil, oft genug wird die menschliche Unfähigkeit, Konflikte zu lösen, bloßgestellt. werden die Menschen von Außerirdischen entlarvt und in letzter Konsequenz sogar verbannt. Die offensichtliche Unfähigkeit der Menschen, in friedlicher Koexistenz mit anderen Wesen zu leben, wird dabei in zweierlei Hinsicht … aufgezeigt: zum einen ist da die Karikatur Hafte Überspitzung von menschlichen Schwächen, die zu mancherlei, teilweise lächerlichen Verwicklungen führt, zum anderen ist es die offenen Anklage gegen Verstöße gegen das, was man als ‚Menschenrechte‘ bezeichnen darf. So entwickelt sich die Serie Valerian von Album zu Album mehr zu einem hochpolitischen, sozial engagierten Comic, der … auf ein erwachsenes Leserpublikum abgestellt ist.

…Das ist moderner zeitgenössischer SF-Comic-Roman, dem meiner Meinung nach nichts Vergleichbares entgegengesetzt werden kann. Kein Wunder also, dass die Leser, die sehr wohl ein Gespür für Qualität haben, nicht nur in Frankreich ‚Valerian‘ feiern…“ (Auszug aus COMICFORUM No 43 – Das Magazin für Comicliteratur)

 

Selbstverständlich hatte auch ich meine Lieblingsfiguren. War es zunächst, geschuldet meinem pubertären Alter, Veronique - selbstbewusst, aufrichtig und sexy. Halt die Partnerin von Valerian. Aber Sie war mehr als nur eine Nebenrolle…

 

Im Jahre 2000 erschien für mich freudig überraschend der Band ‚Schlechte Träume‘. Hier ist die Vorgeschichte um Kombul von ‚Der Stadt der tosenden Wasser‘ und auch die erste Begegnung von Valerian und Veronique wird erzählt.

 

Später gesellten sich für mich weitere besondere Lieblinge hinzu: die Shinguz, der Transmutor, der Glapum’tianer Ralf, der Schnarf, Albert, S’Traks…. Eine unglaubliche Vielzahl an tollen Charakteren füllte dieses Universum an. Egal ob menschlich oder außerirdisch.

 

Der heimliche Star war für mich aber immer Valerians Zeit-Raumschiff, dessen profaner Name XB982 lautet. Seinen ersten Auftritt hat es im Album ‚Im Reich der tausend Planeten‘. Es ist einfach geradezu beeindruckend ästhetisch. Ich hatte immer den Eindruck, dass die Form über die der Funktionalität stünde. Das Resultat eines Designers – nicht das eines Technikers. Ein Raumschiff, bei dessen Anblick ein Eindruck bei mir erweckt wurde, dass es wie ein Manta im Meer, elegant durch die Galaxien gleiten kann…. Naja. Ich fand es einfach nur cool.

 

Es war etwa Ende der 80er Jahre. Die Valerian & Veronique Reihe wurde mittlerweile über ein Jahrzehnt fortgesetzt.

Zu dieser Zeit traf ich zufällig einen alten Jugendfreund aus Zeiten der Grundschule. Wir verabredeten uns zu einem netten nostalgischen Abend. Und genau an diesem Abend wurde mein Jagdfieber entfacht. Denn mein Schulfreund weckte bei mir eine Erinnerung an eine Valerian-Geschichte, die bisher noch in keinem der Alben auftauchte. Das Letzte, welches ich meiner Sammlung hinzufügen durfte, waren die ‚Blitze von Hypsis‘. Und auch hier waren diese Bilderfragmente in meinem Kopf nicht aufzufinden: Valerian auf einem Planeten mit Eingeborenen, die er von der menschlichen Technik überzeugen wollte, doch diese ihn immer wieder mit ihren Fähigkeiten entmutigten: Während er mit einem schnellen Gefährt durch das Gelände mit atemberaubender Geschwindigkeit fuhr, konnten diese schneller rennen und ihn schlussendlich einholen. Als er sein Flugaggregat vorführte, so schwebten diese ohne Hilfsmittel mit ihm gemeinsam in die Höhe. Wo verbarg sich diese Story? Wie hieß diese denn nur? Und es muss eine ältere Geschichte sein. Ohne Veronique, so weit ich mich erinnern konnte…

 

Noch ein Jahrzehnt später fand ich die gesuchte Erzählung unerwartet in einem Comicregal bei einem Händler: ‚Jenseits von Raum und Zeit‘. Sie war Bestandteil einer Sammlung von Kurzgeschichten in jenem Album. Die Geschichte, welche ich suchte, hatte den Titel ‚Triumph der Technik‘. Wie passend!

 

Die Jahre vergingen… Meine Sammlung wuchs…

 

Und dann kam das Jahr 2010: Ich hätte nie gedacht, dass diese SF-Comic-Sammlung mich mehr als 35 Jahre begleiten wird. Geschweige denn, dass sie mal einen Abschluss finden könnte. Die Ära einer wirklich fantastischen SF-Comic-Reihe fand ihren würdigen Abschluss mit dem Band „Der Zeitöffner“.

Die Alben: Sonderband 'Schlechte Träume', Das letzte Album 'Der Zeitöffner' und der spezielle Sonderband 'Jenseits von Raum und Zeit'
Die Alben: Sonderband 'Schlechte Träume', Das letzte Album 'Der Zeitöffner' und der spezielle Sonderband 'Jenseits von Raum und Zeit'

 

So wenig wie ich mich dem Einfluss dieser Comic-Geschichten entziehen konnte, so stark wirkten diese Bilder wohl auch auf andere bekannte Künstler und Filmemacher. Beispielsweise wurde Lucas bei der filmischen Umsetzung  von StarWars, offensichtlich hochgradig von ‚Valerian & Veronique‘ ‚inspiriert‘. Sei es der Millenium Falcon von Han Solo oder auch Leia Organas Kostüm, als sie von Jabba the Hutt in Ketten gelegt wurde. Alles nur kopiert? Ich stolperte vor einigen Jahren im Internet über diese ‚verschwörerische Entdeckungen‘: http://1930sblog.blogspot.de

 

 

Und was ist eigentlich mit dem häufig angekündigten ‚Valerian & Veronique‘ Film? Oder sollte er eigentlich heißen ‚Valerian & Laureline‘? Mein letzter Stand ist noch der von 2012: Luc Besson will diesen Film drehen http://www.moviepilot.de/news/luc-besson-arbeitet-an-spaciger-sci-fi-action-116412

Ein 'Roir' aus dem Jahre 1993
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Was bisher geschah...
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00 Opening COMICROOM
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01 Monitor & Schwenkarm
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02 Ordnung muss sein
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03 Armlehne & Knetmasse
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04 Der COMICROOMReader
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05 Upgrade
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06 Machbarkeitsstudie
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07 Unboxing ZBOX
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08 Der PFEILER
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09 Die PLATTFORM
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10 Die Hochzeit
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11 Bookmark Manager
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12 Starting COMICROOM
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13 Das eRegal
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14 Duell der Armlehneablagen
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15 Nähen & Schneiden
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16 Dachboden-Begehung
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17 Erster Eindruck
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