Reflektierende Displaytechnologien

Angeregt durch den Kommentar zu meinem Blog vom 4. Mai 2014, möchte ich drei der mir bekanntesten reflektierenden Displaytechnologien kurz und ‚simpel‘ erläutern: eInk-, cholesterische und die Mirasol Anzeigen.  Also u.a. auch die Technik, die beispielsweise bei eBook-Readern zum Einsatz kommen. Und welchen Einfluss haben diese Bildschirme auf unser COMICROOM Projekt?

Während Tom seine Blackbox programmiertechnisch verfeinert, möchte ich mich heute diesem besonderem technischen Thema widmen: Reflektierende Bildschirme. Was sind das für Technologien und wie funktionieren diese?

 

Ich war das erste Mal im Jahre 2007 auf der IFA mit einem e-Book-Reader leibhaftig konfrontiert worden. An einem kleinen unscheinbaren Stand der Fa. iRex war es. Das Produkt hieß Iliad. Der Bildschirm war in schwarz/hellgrau. Das Blättern in einem digitalisierten Buch war immer mit einer kleinen Auszeit von einigen Sekunden durch die Ansicht eines leeren Bildschirms unterbrochen, bis es zur nächsten Seitenansicht wechselte. Kein Touchscreen, sondern eine kippbare Leiste an der Längskante des Readers war es, mit der das Blättern ausgelöst werden konnte. Die Bild-Qualität in der hell erleuchteten Halle war wirklich sehr gut.

 

Aber was rede ich da von der Vergangenheit. Amazon’s Kindle hat sich mittlerweile in den letzten Jahren auf dem Markt durchgesetzt -auch gerade wegen des großen Angebotes an eBooks im eBook-Shop.

 

Gab es damals für mich nur ein eBook-Reader mit externer Leselampen für ‚dunkle Zeiten‘ (das war von Sony), so gibt es heute in vielen eInk-Geräten eine regelbare Hintergrundbeleuchtung aus LED’s. Sei es der Kindle paperwhite oder auch Tolino vision, um nur zwei Beispiele zu nennen. Denn nun auch endlich war eine Lösung auf dem Markt für mich als „Bettlektürenverschlinger-in-dunklem-Schlafzimmer“ erhältlich. Aber halt nur für Bücher geeignet – nicht für farbige große Comics!

 

Hinweis: Eine Webseite die sich rund um das Thema eBook-Reader (News, Technik, eBooks, Forum, Preise, etc.) beschäftigt, ist z.B. diese hier: http://allesebook.de.

 

Die bei den oben aufgezählten eBook-Readern zum Einsatz kommende Technik heißt übrigens eInk – ‚elektronische Tinte‘. Das Prinzip ist relativ einfach – die technische Umsetzung hat aber viele Jahre gedauert.

 

Bei einem eInk-Display wird die räumliche Position unterschiedlich ionisierter Farbtröpfchen durch Spannungsregelung verändert.

Eine angelegte elektrische Spannung bringt die unterschiedlich gepolten Tröpfchen dazu, sich entsprechend auszurichten. Dabei haben die weißen Tröpfchen eine von den schwarzen Tröpfchen unterschiedliche Ladung. In  meinem Bild sind die weißen Tröpfchen negativ und die schwarzen Tröpfchen positiv geladen. Die negativen weißen Tröpfchen lagern sich bei einer positiven Spannung an die Oberseite des Displays, und es erscheint die Farbe weiß( Bild1). Diese weiße Farbschicht verdeckt vollständig die schwarzen Tröpfchen, welche sich am Untergrund abgelegt haben.

Eine Vertauschung der elektrischen Spannung, kehrt den Prozess um: Die schwarzen Tröpfchen rücken in den sichtbaren Bildschirmteil nach oben – die weißen Tröpfchen sind unten. Die weißen sind es nun, die vollständig von den schwarzen abgedeckt werden (Bild 3).

 

Verschiedene Grautöne können beispielsweise mit einer sehr feinen Spannungsregelung erreicht werden, bei denen die Anteile der an der Leseoberfläche liegenden Tröpfchen aus schwarz und weiss gesteuert werden (Bild 2).

Aber gibt es denn noch weitere Entwicklungen im Umfeld der reflektierenden Bildschirme? Ja – die gibt es!

 

Zum einen ist da noch die Cholesterische Anzeige. Hier werden die verschiedenen temperaturabhängigen Aggregatzustände von Flüssigkristallen genutzt. Also die angelegte Spannung wird dazu genutzt, um die Kristalle zu erhitzen. Man bringt sie von einem festen in einen flüssigen Zustand. Abkühlung führt wieder zu einer festen Kristall-Struktur.

Also: Der weiße Kristalline Zustand verhindert die Sicht auf den schwarzen Hintergrund und lässt den Bildschirm weiß erscheinen (Bild: Kristall). Wird die Temperatur erhöht, schmilzt der Kristall und wird flüssig. Die entstandene Flüssigkeit ist durchsichtig. Dadurch ist die Sicht nicht mehr auf den Untergrund verdeckt und die Farbe schwarz erscheint (Bild: Flüssigkeit). 

Der Flüssigkristalline Zustand aber, ist nur teilweise lichtdurchlässig. So können mit Hilfe einer feinabgestimmten Temperaturerhöhung Grautöne realisiert werden (Bild: Flüssig-Kristall).

 

 

Zum anderen gibt es noch die mir bekannte dritte Variante: Das Mirasol-Display.

Auch hier mal kurz & knapp: Die Spannungsregelung dient dazu, den Plattenabstand zu steuern. Die unterste Platte ist eine Reflektierende Membran. Die darüber liegende Platte besteht aus Glas und hat eine Dünnfilmbeschichtung. Das einfallende Licht wird also an der unteren Membran reflektiert und dringt durch die Dünnfilmbeschichtung wieder zurück an die Oberfläche. Dabei wird nur ein bestimmter Teil des Lichtes durchgelassen. Ist der Abstand der Platten zueinander groß, so sehen wir eine weiße Anzeige (Bild: Großer Plattenabstand). Ist zwischen den Platten kein Abstand, so kann auch nichts reflektiert werden und das Display ist schwarz (Bild: Kein Plattenabstand). Grautöne oder auch andere Farbtöne können mit der Höhe dieses Zwischenraumes und der Beschaffenheit der Dünnfilmbeschichtung beeinflusst werden (Bild: Kleinerer Plattenabstand).

 

Und wie ist der aktuelle Stand bei farbigen ‚reflektierenden‘ Displaytechnologien? Also für Konsumenten wie ich es einer bin? Kann ich solch einen farbigen eBook-Reader schon kaufen? In der Tat: Ja. Und er wird im Testbericht der Stiftung Warentest folgendermaßen tituliert: E-Book-Reader Pocketbook Color Lux: Höchs­tens für Comic­fans empfehlens­wert

Als ich dies las und mir den Artikel vollständig zu Gemüte zog, war ich im Fazit des Autors nicht wirklich überrascht dieses lesen zu müssen: „Das Pocket Color Lux bietet zwar als einer der ersten E-Book Reader ein farbiges E-Ink-Display. Wegen des schwachen Kontrastes und der blassen Farben reicht das aber bestenfalls zum Lesen von Comics und bebilderten Märchenbüchern.“

 

Tom und ich werden weiterhin diese Entwicklungen mit ‚Spannung‘ verfolgen J. Und wir vermuten, dass es noch einige Jahre Entwicklungsarbeit bei den Firmen dauern wird, bis wir ein adäquates Produkt zu unserem Bildschirm kaufen können. Denn für unser COMICROOM Projekt –nämlich das eines stationären eComic-Schmöker-Archivs- scheint mir unser ‚emittierendes‘ TFT Display mit seinen 16,7 Millionen Farben und auch der Größe von 20“ sowie der Reaktionszeit von 8 Millisekunden die bessere Wahl zu sein. Auf jeden Fall haben wir diese Technik schon JETZT … inklusive unserer eComics - und zwar mit starken Kontrasten und in brillanten Farben! 

 

Ein 'Roir' aus dem Jahre 1993
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Was bisher geschah...
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00 Opening COMICROOM
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01 Monitor & Schwenkarm
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02 Ordnung muss sein
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03 Armlehne & Knetmasse
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04 Der COMICROOMReader
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05 Upgrade
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06 Machbarkeitsstudie
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07 Unboxing ZBOX
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08 Der PFEILER
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09 Die PLATTFORM
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10 Die Hochzeit
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11 Bookmark Manager
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12 Starting COMICROOM
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13 Das eRegal
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14 Duell der Armlehneablagen
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15 Nähen & Schneiden
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16 Dachboden-Begehung
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17 Erster Eindruck
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