„Batman Superband – Band 1“ - 1974

Sammlung: Batman Superband (http://www.comicguide.de/php/detail.php?id=383&file=r&display=short)

 

Zeichner: Bob Kane (http://de.wikipedia.org/wiki/Bob_Kane), u.a.

 

Texter: Bill Finger (http://de.wikipedia.org/wiki/Bill_Finger),  u.a.

Ich saß bei meinem alten Schulfreund Ralf zuhause in seinem Arbeitszimmer. Meine Frau mit seiner nebenan im Wohnzimmer.

 

Mit Ralf gemeinsam hatte ich die Schulbank von der 1. – 8. Klasse gedrückt. Auch hatten wir einige Gemeinsamkeiten bei unseren Freizeitbeschäftigungen: Fussball spielen und Comics lesen. Er war einer meiner besten Freunde, bis er dann mit seinen Eltern in den Süden von Deutschland zog. Durch eins der Portale im Internet hatten wir uns wieder gefunden und er lud mich und meine Frau ein, wenn wir mal in der Nähe sein sollten, bei ihm vorbeizuschauen…

 

Und da saß ich nun bei ihm. Im Süden von Deutschland. Staunend blicke ich auf sein Bücherregal, in dem sich viele alte bekannte Comics aneinanderreihen: Felix, Zack, Luc Orient, Superman/Batman, Tim & Struppi, Valerian & Veronique, Micky Maus, Die Spinne, Die Rächer, Thor, Clever & Smart, MAD, Die Schlümpfe, Fix & Foxi und viele viele andere mehr. Doch keine neuen aktuellen. Soweit ich das richtig sah, alle aus den 70ern. Alle aus unserer Schulzeit. So ungefähr 10m Comics. Wow.

 

„Na Andy? Du siehst überrascht aus?“

„Äh… ja. Bin ich auch. Deine Sammlung ist ja schier unglaublich!“ Ich ging auf das Regal zu und zog ein bestimmtes MAD Heft heraus. Als ich es aufschlug, sah ich einige bunt ausgemalte Seiten. „Ralf“, fassungslos starrte ich auf die Seiten, „das sind ja unsere Malarbeiten?“

„Ah. Du kannst Dich daran erinnern.“ Er freute sich inständig über mein Widererkennen. „Das war einer der regnerischen Tage, wo wir gemeinsam den ganzen Tag schmökerten. Dann hatten wir uns später die Buntstifte geholt und die schwarz-weiß-Seiten eingefärbt.“

„Ich denke auch daran kann ich mich erinnern. Das waren aber viele Tage, an denen wir die Comics lasen… Man Ralf, das ist sehr sehr lange her…“.

 

Sind das alles wirklich die Comics von damals? Unsere Original-Hefte und Alben? Aus unserer Schulzeit? Ich fragte ihn danach.

„Ja. Mein Vater hatte alle meine Comics beim Umzug in Kartons verpackt und sie in den Keller gestellt. Dort sind sie in Vergessenheit geraten. Als ich in den 80er Jahren auszog, dann später meiner beruflichen Karriere nachging und noch viel später meine Frau kennenlernte und der erste Nachwuchs kam, sprach mich mein Vater auf diese Kartons an.“

Ralf hatte beim Erzählen einen Gesichtsausdruck, der mir verriet, dass das eine schöne Zeit für ihn war. Er sprach weiter: „Als ich die Kartons öffnete, war das ein Moment, den ich nie vergessen werde. Den Tränen war ich nahe, als ich die ersten Comics aus den Kartons herausnahm. Lauter Zeitkapseln, die längst vergessen geglaubte Erinnerungen hervorbrachten. Erinnerungen an unsere gemeinsame Leidenschaft…“ Dann sah er mich an. „Und jetzt bist Du hier. Mein alter Kumpel aus der Schulzeit, mit dem ich so viel Zeit verbrachte. Und in jedem Comic steckt ein Stückchen unserer gemeinsamen Geschichte.“

 

Er war emotional aufgewühlt. Aber nicht nur er…

„Meine Sammlungen musste ich zum großen Teil wieder neu kaufen.“ Meinte ich anerkennend auf seine Sammlung blickend. „Ich hatte viele damals verkauft oder auch bei einigen Kiosken gegen andere ausgetauscht.“

„Stimmt ja.“ warf Ralf ein. „Früher gab es die Händler, die für einige wenige Groschen alte Hefte aufkauften. Oder sie auch tauschten. 2-3 alte Hefte gegen ein anderes Gebrauchtes.“

„Ja genau. Anders konnte ich meine Sucht gar nicht finanzieren.“ Ich machte eine Pause. Dann lächelte ich ihn an. „Oder ich kam zu Dir und las Deine!“

Er fing an laut zu lachen. „Unsere Eltern hatten das nie verstanden, wie wir so viel Spaß mit dieser ‚Schundliteratur‘ haben konnten.“

Ich äffte seine Mutter nach: „Kinder, lest doch mal lieber ein anständiges Buch.“

„Oh je. Und was bekamen wir dann beide zu Weihnachten geschenkt?“

„Ich glaube, das waren ‚die fünf Freunde‘.“

 

„Richtig, Andy. Und? Hast Du es je gelesen?“

„Nee Ralf. Damit konnte ich gar nichts anfangen.“ Ich lachte. „Aber du hattest Deine Oma angebettelt, Dir das neue Batman-Superband Album zu kaufen…“

„Es war das erste aus der Reihe. Sehr teuer. 3,50 DM. Und ich bekam es auch!“

„Das war ein so tolles Heft. Die Bathöhle, der Batman-Gürtel und einige Ausrüstungsgegenstände sind dort detailliert erklärt worden…“

„…und wir wollten auch wie Batman sein.“

„Du hattest dann irgendwelche langen Unterhosen mit blauem Filzstiften bemalt…“

„…und von meiner Mutter den Hosenboden versohlt bekommen.“

„‘Mutter verdrischt Batman‘! Wie peinlich…“

„Ja. Ja. Von wegen anti-autoritäre Erziehung!“ Lachend triumphierte Ralf: „Aber meine Mutter hatte sehr lange ein schlechtes Gewissen deshalb…“ Und fügte weitherzig hinzu: „Ich hatte ihr dann später verziehen.“

Neugierig geworden hakte ich nun nach: „Und? Hast Du das Album noch?“

„Klar.“ Ralf stand von seiner Couch auf und griff in das Regal. In einer Schutzhülle verbarg sich das Objekt der Begierde: Batman Superband 1. Von 1974. Stolz hielt er es mir entgegen.

 

Vorsichtig nahm ich es ihm ab. Befreite es aus dem Plastikschutz. Da war es nun in meiner Hand. Das Original. Ein Heft, dass uns zu vielen Überlegungen angeregt hatte: Wie schafft es Batman, bei den relativ flachen Bauten und den breiten Straßen deutscher Großstädte, mit einem Seil zu schwingen? Der musste doch unweigerlich auf den Asphalt knallen! Woran findet das Seilende seinen Halt? Wie lange kann Batman das Schwingen durch die Straßenschluchten durchhalten? Und um dann noch die Kraft aufbringen zu können, den Bösewichten sich im Kampf zu stellen? Wir hinterfragten schon damals die Realität des ‚Superhelden‘.

„Wusstest Du eigentlich Ralf, dass ich dann mir das Heft einige Jahre später nachbestellte? Nachdem du weggezogen warst?“

„Aha. Aber da war etwas anders. Stimmt’s Andy?“ Er schien zu wissen, auf was ich anspielte.

Dennoch war ich überrascht. „Das ist richtig!“

„Das Heft war unvollständig.“

Ich bestätigte mit einem: „Auch das ist richtig!“ Und führte dann weiter aus: „Einmal war das Titelbild etwas anders. Und eine Geschichte hatte ich damals vermisst!“

„Ich weiß. Andy.“

„Aber besonders hatte ich mich darüber geärgert, dass die Seite mit den Zeichnungen über die Spezialausrüstung fehlte!“

„Ja man hatte da wohl die Gesamtseitenzahl den späteren Auflagen der Batman Superbänden angepasst. Ich glaube auf um die 80 Seiten. Moment…“

 

Er ging zum Regal und holte die Sammlung hervor. Es waren 23 Alben. Während er in einigen blätterte, meinte er: „Ja die wurden alle auf 82 Seiten limitiert. Das korrigierte man bei den späteren Auflagen des 1. Albums. So verschwanden dann die von dir erwähnten Seiten.“

Bild 1: Batman Superband 1 von 1974 (3,50DM) -> links oben: '100 Seiten'

Bild 2: Batman Superband 1 von 1978 (4,50DM) -> links oben: 'Mit Plan der BAT-Höhle'

Bild 3: Meine Batman Superband Sammlung - 23 Alben

Bild 4: Die fehlende Geschichte im Album von 1978: 'Der Killer im Smog'

 

„Tja, Ralf. Und es gab ja 1978 noch kein Internet wo man das hätte nachlesen können…“

 

Mit einem Lächeln reichte er mir das Album, welches ich auf den Tisch abgelegt hatte: „Also wenn Du magst, darfst du das gerne nochmal lesen.“

Diesem Angebot konnte ich einfach nicht ausschlagen…

 

Nachtrag: Er scannte das Album netterweise für mich ein und schickte es mir dann als PDF-Dokument zu. J

 

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