"Nick Knatterton" - 1978 (Verlag Rowohlt)

 

Sammlung: Nick Knatterton 

Zeichner & Texter: Manfred Schmidt 

 

'oh, Nick Knatterton' - Artikel zum 100. Geburtstag von Manfred Schmidt


Der Rechnerausfall Anfang letzter Woche hatte mich sieben Tage lahmgelegt. Nun kehrte etwas Ruhe ein. Tom war bei mir, weil wir unsere Backupstrategien überdenken wollten. Doch das stopfen meiner Pfeife regte Tom zu einer harmlosen Frage an: „Sag mal Andreas, wie bist du eigentlich zum Pfeife-rauchen gekommen?“

 

Unerwartet traf mich diese Frage schon. Ich musste ein bisschen grübeln… das lag nun schon einige Zeit zurück. Ich reiste mit meinen Gedanken in die Vergangenheit. Ich sah mich als Grundschulschüler – das war Anfang der 70er. „Ich denke der erste Auslöser war Sherlock Holmes…“ sagte ich murmelnd. Aber Anfang der Siebziger? Ich korrigierte mich: „Nein das kann nicht sein… das ist zu früh…“

Tom fragte: „Wieso zu früh?“

„Meine erste Berührung mit Sherlock Holmes kann erst Ende der Siebziger..." Ich hielt kurz inne."Nein: 1980 muss es gewesen sein.“ Den Grund lieferte ich gleich mit: „Die Sherlock-Holmes-Reihe mit Basil Rathbone wurde erst 1980 im deutschen Fernsehen gezeigt. Und ich fand die damals klasse.“

Ich zündete meine Pfeife an. Stopfte den Tabak etwas nach. Plötzlich drängte sich das fehlende Erinnerungsfragment in meinen Fokus: „Mir fällt es wieder ein, Tom. Ich hatte in den siebziger Jahren doch nur Comics gelesen…“ Tom schaute mich etwas verdattert an und meinte „Eine Pfeife rauchende Comicfigur? Dann bleibt ja nur Kapitän Haddock übrig?!“

„Nicht ganz“, erwiderte ich schmunzelnd. „Bei meinem Vater fand ich eine alte Ausgabe aus den 50ern von Nick Knatterton! Das war etwa Mitte der 70er Jahre. Die Geschichte hieß:  'Die Rasierseifen-Geheimwaffe'. Ich fand die sehr beeindruckend.“

„Von wem bitte?“ Tom fragte ehrlich überrascht.

 

Jetzt war ich an der Reihe, verdutzt zu sein. Tom kannte Nick Knatterton nicht?

Die deutsche Antwort auf alle amerikanischen Superhelden-Comics! Die deutsche Mischung aus Sherlock Holmes und James Bond! Stilsicheres Auftreten a la Tim in modischen Knickebocker-Hosen! Der deutsche Superheld der 50er Jahre! Kämpfer gegen die Bösewichter aus Politik und Wirtschaft. Retter schöner Frauen. Kritisch. Ironisch. Sexistisch. Heldenhaft? Zeitlos?

Schon hörte ich ihn sagen: „Nein Andreas, dieses Comic kenne ich nicht!“

„Moment…“ Ich ging zu meinem Regal, holte zwei Rowohlt-Taschenbücher von dort und drückte sie Tom in die Hand. „Das waren meine ersten eigenen.“

1978: Meine ersten Nick Knatterton Comics - 15 Titel
1978: Meine ersten Nick Knatterton Comics - 15 Titel

Und die kann ich nicht vor 1978 gekauft haben. Zumindest laut Impressum.

Er blätterte ein wenig in den Büchern herum. Plötzlich ein erstauntes Aufmerken „Ach daher ist dein Original über dem Schreibtisch!“ Er zeigte mir die aufgeschlagene Seite…


"Schlüsselloch - Kontakt von Bett zu Bett"
"Schlüsselloch - Kontakt von Bett zu Bett"

…und schritt zu meinem Schreibtisch.


Das Original von "Schlüsselloch - Kontakt von Bett zu Bett"
Das Original von "Schlüsselloch - Kontakt von Bett zu Bett"

„Stimmt, Tom. Ein guter Schul-Freund sammelte Original-Comic-Zeichnungen. Fand ich irgendwie toll. Dann hatte Ich mal etwas Geld über – mein Freund wusste von meinem Spleen und wies mich auf das Angebot einer Nick Knatterton Seite hin - so kaufte ich mir diese.“

„Wie lange ist das her?“

Jetzt fing ich aber an zu rechnen. „Das müsste so anderthalb Jahrzehnte her sein…“

„Und, Andreas? War das eine gute Wertanlage?“

„Ich hatte die Comic-Seite nicht unter der Prämisse gekauft, eine Wertanlage besitzen zu wollen.“ Nein! Das war wirklich nicht der Grund. „Sondern ich wollte nur einfach eine Originalzeichnung von Nick Knatterton – vielmehr von Manfred Schmidt (M.SCH.) - mein Eigen nennen dürfen.“

„Was kostete Dich denn die Befriedigung des ‚Haben-wollen!‘-Gefühls? “

„Ziemlich viel, Tom.“ Weiter wollte ich mich dazu nicht äußern.

Tom hakte auch nicht weiter nach. Er blätterte wiederholt in den beiden Büchern. „Sind das eigentlich alle Nick Knatterton-Geschichten? Also 15 Stück?“

„Nein.“ Sagte ich. „Ich habe hier noch eine Ausgabe mit dem Titel ‚Kombiniere: ich bin komplett!‘“

„Zeig mal her, Andreas.“ Ich reichte ihm den großen Softcover-Comic von 1983.

 

1983: "Nick Knatterton, Kombiniere: Ich bin komplett!" - 16 Titel
1983: "Nick Knatterton, Kombiniere: Ich bin komplett!" - 16 Titel

„Ach hier sind das ja jetzt 16 Stories.“ Ich bestätigte diese Feststellung mit einem Kopfnicken. „Und es kommen 1998 in der Jubiläumsausgabe noch mal zwei Titel hinzu.“ Mit dieser Aussage übergab ich Tom den blauen Hard-Cover Band mit nun insgesamt 18 Geschichten. Endlich vollständig! Wirklich komplett.


1998: "Nick Knatterton, die Jubileumsausgabe" - 18 Titel
1998: "Nick Knatterton, die Jubileumsausgabe" - 18 Titel

„Wieso sind die Geschichten stückchenweise herausgegeben worden? Marketing-Strategie?“

„Eher juristische Hindernisse. Erst mit dem Tode von Manfred Schmidt durften die letzten beiden Titel veröffentlicht werden.“

„Warum hatte er das verhindert?“

„Er selbst war sein größter Kritiker. Und damit wurden diese letzten Stories Opfer seiner eigenen Zensur!“

„Mmmh. Kann ich mir die Jubiläums-Ausgabe mal ausleihen?“

„Kannst du, Tom. Aber ich habe das Comic auch schon eingescannt. Was magst du?“

„Ich nehme beides.“

„Ok.“

Tom reichte mir seinen Memory-Stick und erinnerte mich sodann an seine ursprüngliche Fragestellung: „Wegen Nick Knatterton und Sherlock Holmes rauchst Du also Pfeife?“

„Das klingt komisch… ist aber so auch nicht richtig.“erwiderte ich.

 

Kurz resümierte ich den Beginn meiner Leidenschaft zur Pfeife, während ich den Comic kopierte. „Viele Faktoren, spielten hier zusammen: Ich bin ein Kind der 70er Jahre. Rauchen war gesellschaftlich angesagt. Überall erlaubt: In Bussen, Bahnen und Flugzeugen. In jedem Restaurant. Es wurden sogar seit 1969 die Pfeifenraucher des Jahres gewählt. Auch Manfred Schmidt gehörte 1973 zum 'erlesenen' Kreis. Interessanterweise endet die Liste mit dem Jahr 2013. Aus heutiger Sicht eine eher fragwürdige Würdigung ;-)

Sehr viele Persönlichkeiten –ob real oder fiktiv- waren zu dieser Zeit Raucher. Die Bonzen mit Zigarre. Die Draufgänger und echt coolen Kerle mit Zigarette. Intellektuelle mit Pfeife. Übrigens: selbst James Bond sollte eigentlich nach Ian Flemming ein Pfeifenraucher werden. Politiker haben sich extra mit Pfeife abbilden lassen, um sich mehr persönliche Intellektualität zu verleihen. Aber auf mich gemünzt: Ich selbst stamme aus einer Familie, die mehrheitlich rauchte. Ausschließlich Zigaretten. Mir gefiel aber die Pfeife. Mit Beginn des Abiturs entschloss ich mich zum Kauf meiner ersten Pfeife. Dabei betrachte ich mich selbst eher als ein Genussmensch. Eine Pfeife ist wie ein Glas guter alter Whisky – der sinnliche Moment des Vergnügens! Nicht oft, aber den besonderen Augenblick zu würdigen wissen…“

 

Mit einem „Andreas!“ unterbrach mich Tom in meinem Redefluss.

„Ja?“

„Ist gut. Du brauchst Dich nicht zu rechtfertigen. Ich habe verstanden: Du bist das Kind Deiner Zeit. Rauchst ab und zu mal Pfeife. Und das seit einigen Jahrzehnten… Maßgeblichen Anteil an deiner Leidenschaft haben zwei fiktive Figuren in kariertem Anzug und komischer Mütze.“

Seine Formulierung klang jetzt irgendwie - eigenartig…? Oder?


Ein 'Roir' aus dem Jahre 1993
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Was bisher geschah...
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