Die rauchende Comicfigur

Tom kam auf einen Sprung vorbei. Unsere Unterhaltung betreffend des Status COMICROOM glitt unerwartet auf das Thema ‚Rauchen‘ und ‚Comics‘. Einleitend mit seiner überraschenden Frage an mich…

„Wie lange willst du denn noch Pfeife rauchen?“ fragte mich Tom.

„Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, damit aufzuhören. Warum auch?“

Tom schaute mich an. Auffordernd.

Also sprach ich erklärend weiter: „Für mich ist das Anstecken einer Pfeife, wie der Genuss eines guten Weins. Oder wie der Griff in eine Pralinenschachtel. Da fragst du mich doch auch nicht, wann ich damit aufhören will?“

Er setzte sich etwas aufrechter, während er antwortete: „Beide Beispiele haben keinen direkten Einfluss auf mich. Ich werde dabei in deiner Nähe nicht gezwungen, mitmachen zu müssen. Es ist meine Entscheidung. Wenn du dir aber eine Pfeife genehmigst, bin ich -ob ich will oder nicht- passiver Teilnehmer.“

 

Tom überraschte mich mit seiner Ausführung. Er hatte mir in den vielen Jahren unseres gemeinsamen Projektes COMICROOM nie das Gefühl gegeben, dass meine Pfeife ihn stören würde. Jetzt vermittelte er mir aber, mich damit nur geduldet zu haben. Ich hakte nach: „Hast du denn ein Problem mit meiner Pfeife?“

„Als Nichtraucher ist das schon unangenehm. Besonders wenn du bei mir warst. Ich hatte noch tagelang den Geruch in meiner Wohnung. In meiner Kleidung.“ Er schaute mir direkt in die Augen. „Ja. Heute habe ich ein Problem damit.“

 

Das war der Zeitpunkt, an dem ich meine soeben angezündete Pfeife auf den Tisch ablegte.

„Danke, Andreas.“ 

„Hättest mir ruhig auch schon früher einen Hinweis geben können.“

„Ja, hätte ich. War eine Unterlassung. Mein Fehler. Aber heute bin ich sensibler gegenüber Raucher geworden.“

„Aggressiver?“

„Nein. Ehrlicher.“

„Ist ok, Tom.“ lenkte ich ein. „Die Pfeife schmeckt mir auch nicht wirklich, wenn mir mein Gegenüber eine so deutliche Ablehnung signalisiert.“

 

„Versuch es doch mal stattdessen mit einem Grashalm?“ Tom’s Augen glänzten eine Erwartungshaltung auf seine Anspielung aus. Das war halt seine Art, das Thema in eine neue Richtung abmildernd zu lenken. Ich nahm sein Angebot an… Denn selbstverständlich wusste ich sofort, was er meinte.

„Bin mir nicht sicher ob ich darauf wirklich so begeistert herumkauen würde, wie Lucky Luke.“

Tom nickte. 

 

Denn Lucky Luke hatte Anfang der Achziger Jahre umstellen müssen: Keine Zigaretten mehr! Vielmehr Morris hatte diese Wandlung an seiner Figur vollzogen (Artikel: ‚Lucky Luke hat 1982 mit dem Rauchen aufgehört‘). In der Alben-Sammlung ist der Wechsel zum Nichtraucher zum Beispiel an dem alten und neueren Titelbild von Band 66 gut zu erkennen: Links das Heft VOR 1982 – rechts NACH 1982.

 „Wie viele Comicfiguren gibt es denn eigentlich, die Pfeife rauchen?“ fragte Tom und fügte gleich hinzu: „Nick Knatterton ausgenommen.“

Mmmh. Da grübelte ich schon etwas. Denn in der Tat - spontan fiel mir nur einer ein: „Percy Pickwick!“

Tom nickte. „Fallen dir denn Zigaretten-rauchende Comicfiguren ein?“

„Klar. Luc Orient, Modesty Blaise,  Andy Morgan, BlackSad, Jeff Hawke, Bruno Brazil, John Difool, Inspektor Canardo, Platte von Harry und Platte, Jeff Jordan…”

Tom unterbrach mich lächelnd in meiner Aufzählung: “Fallen dir welche mit e-Zigarette ein?“

 

Ich stutzte. „Wie bitte!“ Ich musste lachen.

Er hatte Recht. Normalerweise wird doch jeder Trend sofort aufgegriffen. Warum also nicht auch bei den Comics? Ich erweiterte seine Suchanfrage: „Oder mit e-Pfeife?“ Und beantwortete sie sogleich selber: „Keinen!“

„Kommt sicherlich noch.“ Argwöhnte Tom.

Ein „Natürlich“ kam von mir. „Vielleicht sogar im DC oder Marvel-Universum angesiedelt. Dort wird dann ein Superheld mit seiner e-Zigarette –welche als Waffe fungiert- für Recht- und Ordnung sorgen.“

 

Tom nahm meinen Ausritt in die Welt des Absurden auf. „Ausgestattet mit einer Vielzahl an Ampullen. Gefüllt mit Geschmacksrichtungen, für jede Situation. Um die Angreifer zu Betäuben…“

„…oder mit e-Liquids, die einen die Wahrheit sagen lassen…“

„…oder auch lügen lassen…“

„…vielleicht mit Halluzinogenen gefüllte…“

Wir verloren uns in der Aufzählung von vielen e-Liquids-Varianten. Wir sahen einen im hautengen Dress uniformierten, anonymisiert mit einer Maske über seine Augen, durch die Nacht auf seiner fliegenden Wolke lautlos gleiten. Einen Ampullengurt quer über seinen schmächtigen Körper gespannt, der im Mondschein glänzt. Im Mundwinkel qualmt seine ‚Waffe‘. Er, der allzeit bereit ist, gegen alle Ungerechtigkeiten auf der Welt loszuziehen. Sein Kampf wird geprägt sein von Entsagung und Aufopferung. Halt heldenhaft. Und wie sollte dann der Superheld lauten?

„The Lonesome e-Smoker.“

 

Als Tom mich spät abends verließ, machte ich mich auf die Suche nach typischen Pfeife-rauchenden Comicfiguren. Dabei ‚blätterte‘ ich durch unser eComic-Archiv…

… mit einer Latakia-Tabak gefüllten Pfeife. Sitzend in meinem gemütlichen Lesesessel. Der Bildschirm vor mir. Auf dem Beistelltisch neben mir der Aschenbecher. Gleich daneben meine ‚Waffe‘: Der Pfeifenstopfer. Aus dem Handgelenk holte ich Schwung. Das Streichholz kratzte auf der Reibefläche der Schachtel und entzündete sich… Ich – ‚The extraordinary Pipesmoker‘.

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